S4: Ausstellung „Traumreisen“

Die Kraft der Kultur bemisst sich nicht allein an Pinselstrichen oder geschriebenen Worten. Sie zeigt sich in ihrer Fähigkeit, Brücken über Grenzen, Sprachbarrieren und tiefe Lebensbrüche hinweg zu bauen.
Mit der Ausstellung „Traumreisen“ präsentiert der UkraineFreundeSaar e.V. im Ukrainischen Haus am Schillerplatz in Saarbrücken ein interkulturelles Gesamtkunstwerk, das weit mehr ist als eine reine Bilderschau. Es ist ein Raum des gelebten Integrationsgedankens, der Begegnung und des tiefen philosophischen Austauschs.
Visuelle Brücken: Zwischen verlorener Heimat und europäischer Sehnsucht
Im Zentrum von „Traumreisen“ stehen die Arbeiten von Amateur-Künstlerinnen, die größtenteils als Geflüchtete aus der Ukraine im Saarland eine Zuflucht gefunden haben. Ihre Gemälde sind visualisierte Seelenlandschaften. Sie spiegeln eine Zerrissenheit wider, die von unbändiger Hoffnung und tiefer Melancholie getragen wird.
Auf der einen Seite zeigen die Werke malerische Gegenden aus der ukrainischen Heimat – Orte, die von den Frauen tief geliebt werden, die sie jedoch aufgrund der Schrecken des Krieges derzeit weder aufsuchen noch unbeschwert erleben können. Auf der anderen Seite öffnet sich der Blick nach vorne: Die Künstlerinnen fangen die Ästhetik ihrer neuen Umgebung und Europas mit ganz eigenen Augen ein. Impressionen aus Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz zeugen von Entdeckungsfreude, dem Ankommen in der Fremde und der tröstenden Schönheit unserer europäischen Kulturlandschaft. Es sind Orte, die sie faszinieren, und Orte, die sie aufgrund ihrer aktuellen, oft fragilen Lebenssituation nur in ihrer Fantasie oder auf der Leinwand bereisen können.
„Expromt“: Wenn die Kunst eine Stimme bekommt
Was als visuelle Ausstellung beginnt, verschmilzt im Ukrainischen Haus zu einem nostalgisch-philosophischen Abend, der alle Sinne berührt. Umrahmt von ruhiger, sanfter Live-Musik und persönlichen Erzählungen widmet sich das Programm einer zentralen, zutiefst menschlichen Frage: „Was hatte ich, was habe ich, was kann ich nicht mehr haben?“
Diese Reflexion bleibt jedoch nicht elitär oder einseitig. Unser Selbstverständnis als Kultur- und Integrationsverein bricht bewusste Barrieren auf: Im dynamischen Format „Expromt“ wird die Grenze zwischen Kunstschaffenden und Publikum fließend aufgehoben. Jede und jeder Vorleselustige ist eingeladen, sich aktiv einzubringen und eigene oder bewegende fremde Essays und Gedichte spontan vorzutragen.
Ein lebendiges Zeichen für gelebte Integration
Die Zweisprachigkeit des Abends in Deutsch und Ukrainisch bildet das Fundament für das gegenseitige Verständnis im Saarland. Doch der Integrationsgedanke der UkraineFreundeSaar geht noch einen Schritt weiter: Für das spontane Vorlesen im „Expromt“-Format sind Beiträge in allen Sprachen der Welt ausdrücklich erwünscht. Gefühle wie Verlust, Sehnsucht, aber auch die unbändige Kraft des Neuanfangs sind universell. Sie benötigen keine Übersetzung, wenn sie mit Aufrichtigkeit vorgetragen werden.
„Kultur ist keine Einbahnstraße, sie lebt vom Dialog. Mit den ‚Traumreisen‘ wollen wir nicht nur zeigen, was die Menschen verloren haben, sondern auch, was sie mitbringen: Talent, Perspektiven und den Wunsch, Teil unserer saarländischen Gemeinschaft zu sein. Das Ukrainische Haus öffnet an diesem Abend seine Türen für jede Stimme – ganz egal, in welcher Sprache sie spricht.“
– Der Vorstand, UkraineFreundeSaar e.V.
Das Ukrainische Haus am Schillerplatz 14, direkt im kulturellen Herzen Saarbrückens gegenüber dem Staatstheater, beweist mit diesem Projekt einmal mehr seine Rolle als lebendige Begegnungsstätte. Es ist ein Ort, an dem Schmerz geteilt, Kultur gefeiert und die saarländische Zivilgesellschaft aktiv mit den Menschen aus der Ukraine vernetzt wird. „Traumreisen“ lädt dazu ein, innezuhalten, zuzuhören und im gemeinsamen Austausch ein Stück näher zusammenzurücken.
Über den Verein: UkraineFreundeSaar e.V.
Der UkraineFreundeSaar e.V. versteht sich als dynamischer Kultur- und Integrationsverein im Regionalverband Saarbrücken. Seit unserer Gründung setzen wir uns leidenschaftlich dafür ein, Menschen aus der Ukraine im Saarland eine Stimme, eine Bühne und ein Stück Heimat zu geben. Neben praktischer Alltagshilfe und Integrationsprojekten liegt unser Schwerpunkt auf der Förderung des interkulturellen Dialogs. Das von uns betriebene Ukrainische Haus am Schillerplatz hat sich als feste Kulturplattform in der saarländischen Landeshauptstadt etabliert – ein Ort für Kunst, Musik, Literatur und lebendige Begegnungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten.
Organisatorische Hinweise & Besuchsinformationen
• Termin: Sonntag, 15. November 2026, Beginn um 18:00 Uhr.
• Für Vorleserinnen & Vorleser: Wer im Format „Expromt“ ein Gedicht oder einen kurzen Essay vortragen möchte, meldet sich bitte 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn (ab 17:30 Uhr) direkt beim Einlass-Team an.
• Barrierefreiheit: Das Ukrainische Haus verfügt über einen barrierefreien Zugang. Solltet ihr spezielle Unterstützung beim Zugang oder während der Veranstaltung benötigen, kontaktiert uns gerne vorab, damit wir alles optimal vorbereiten können.
• Anfahrt: Aufgrund der zentralen Lage am Schillerplatz 14 empfehlen wir die Nutzung des ÖPNV (Haltestelle „Staatstheater“). Parkmöglichkeiten finden Sie in den umliegenden Parkhäusern (z.B. Parkhaus am Staatstheater).
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